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Energie aus dem Meer
Um die weltweite Energieversorgung auch in Zukunft sicherstellen zu können, sucht die Wissenschaft nach neuen Möglichkeiten, Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Nach Sonne und Wind rücken nun die Energiepotentiale der Meere in den Blickpunkt des Interesses. Welche technischen Anlagen zur Stromgewinnung die Kraft der Gezeiten, Strömungen und Wellen nutzen, wollen wir Ihnen im folgenden Text kurz vorstellen.
Die Gezeitenkraftwerke machen sich die auf- und absteigende Höhe des Meeresspiegels während der Ebbe und Flut zunutze. Sie werden als Staudamm in einer Bucht oder Flussmündung errichtet, wie etwa das Gezeitenkraftwerk St. Malo in Frankreich. Hat die Flut den höchsten Pegel erreicht, öffnen sich die Turbinen und das Meerwasser fließt in ein Staubecken. Sobald die Ebbe ihren niedrigsten Wasserstand erreicht, strömt das Wasser aus dem Stausee abermals durch die Turbinen zurück ins Meer. Mit jedem Ein- und Abfließen erzeugen die Turbinen im Rhythmus der Gezeiten Strom. Gezeitenkraftwerke haben den Vorteil, dass sie regelmäßig und unabhängig von der Witterung Strom produzieren. Der Nachteil aber ist, dass weltweit nur wenige geeignete Stellen zu finden sind.

Eine Alternative stellen die Meeresströmungskraftwerke dar, welche die Meeresströmung der Gezeiten unterhalb der Meeresoberfläche in Energie umwandelt. Hierfür werden Betonpfeiler mit Propellerturbinen im Meeresboden verankert. Bisher sind jedoch gerade einmal zwei solcher Projektanlagen (Großbritannien, Nordirland) in Betrieb, von denen die eine eine Leistung von 1,2 Megawatt erbringt und rund 1.000 Haushalte versorgen kann.

Die Ingenieure haben sich weiterhin sogenannte Pelamis (Seeschlange) ausgedacht, die aus einzelnen, über bewegliche Gelenke verbundene Stahlrohren bestehen und auf der Wasseroberfläche aufliegen. Sie wandeln die Bewegung der Wellen in Strom um. Das gleich Prinzip liegt den Wavedragons und Powerbuoys zugrunde. Die Energiegewinnung ist in diesem Fall jedoch vergleichsweise gering und nicht konstant, da sie von den jeweiligen Wetterbedingungen abhängen.

Zumindest theoretisch ließe sich der weltweite Strombedarf allein mit der Energie der Meere decken, die immerhin rund 70 Prozent der Wasseroberfläche bedecken. Das dies in der Praxis nicht realisierbar ist, hängt damit zusammen, dass der Strom ins Netz eingespeist werden muss und somit nur küstennahe Anlagen in Frage kommen. Dies wiederum treibt verständlicherweise die Anwohner, Umweltschützer, Schifffahrt, Fischerei und natürlich die Tourismusbranche auf die Barrikaden. Deswegen strebt man eine geeignete Kombination aus verschiedenen Anlagetechniken an, um dennoch ein gewisses Maß an Meeresenergie zu gewinnen.
 
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